Die Bettwanze (Cimex lectularius)
© Joachim Folté & Sohn GmbH 2000 - 2012
Nach dem Zweiten Weltkrieg spielten Bettwanzen durch die Verfügbarkeit und Anwendung vieler hochwirksamer Insektizide wie DDT,
Carbamate und Pyrethroide kaum noch eine Rolle in der westlichen Welt. Seit Mitte der 1990er-Jahre jedoch nimmt der Befall mit
Bettwanzen nicht nur in Massenunterkünften, sondern auch in privaten Wohnungen und Häusern, Transportmitteln bis zu Luxushotels
stetig zu. Hauptgründe dafür sind vermehrte Reisetätigkeit und Mobilität der Menschen, der nationale und internationale Handel mit
Gebrauchtwaren (auch über das Internet), die Entstehung von Resistenzen gegen über Jahrzehnte eingesetzte Wirkstoffe wie z.B.
Pyrethroide, sowie Verbote von einigen gut wirksamen Wirkstoffen.
Bettwanzen werden i.d.R. durch den Transport befallener Gegenstände wie Matratzen, Bilder, Koffer, CDs oder Möbel an den Befallsort
eingeschleppt. Dabei reicht ein einzelnes vitales begattetes Weibchen aus, um ganz allmählich einen Befall aufzubauen. Aufgrund des
langsamen Populationsaufbaus nach Einschleppung und der leichten Verwechselbarkeit der Stiche mit denen anderer Parasiten bleibt ein
Wanzenbefall häufig lange unerkannt.
Bettwanzen sind Blutsauger! Ein Bettwanzenbefall ist außerordentlich lästig. Beide Geschlechter der Wanze und alle Entwicklungsstadien
ernähren sich ausschließlich von Blut. Bettwanzen sind gelbbraun bis rötlich braun gefärbt, und haben einen birnenförmige stark
abgeflacht Körper, je nach Entwicklungsstadium 1–8 mm lang. Unmittelbar nach dem Blutsaugen sind die Tiere stark verdickt, erreichen
eine Größe von bis zu 9 mm.
Die Weibchen legen ca. 1 mm lange, milchig-weiße, längliche Eier direkt im Versteck oder in dessen Nähe ab, im Laufe ihres Lebens
350-400 Eier. Aus den etwa 1 mm langen, weißen Eiern schlüpfen bei einer Temperatur von 22 °C nach 12 Tagen die juvenilen Tiere. Es
gibt fünf den Adultstadien sehr ähnlich sehende Juvenilstadien, (das 1. Juvenilstadium ist 1–2 mm groß) die alle mindestens einmal Blut
saugen müssen, um sich weiterzuentwickeln. Die Entwicklung vom Ei bis zum erwachsenen Tier ist temperaturabhängig und dauert bei
üblicher Zimmertemperatur von 22 °C und regelmäßiger Blutmahlzeit ca. acht Wochen. Die Bettwanze ist flugunfähig. Die Lebensdauer
der Bettwanzen beträgt in Abhängigkeit von Temperatur und Nahrungsangebot 9-18 Monate.
Die Bettwanzen stechen den Menschen vorwiegend nachts, sie werden von Körperwärme, Kohlendioxid und Körpergeruch angelockt.
Nach dem 3 - 10 Minuten dauernden Blutsaugeakt wandern die Tiere in ihre Verstecke. An der Stichstelle der Wanzen entstehen beim
Wirt meist kleine Quaddeln als Reaktion auf den blutgerinnungshemmenden Speichel. Dieser Juckreiz kann 7 - 10 Tage andauern.
Allergiker können durchaus heftige Reaktionen zeigen.
Bettwanzen können bis zu 6 Monate, die ersten Larvenstadien sogar bis zu 9 Monate hungern. Steht ihnen der Mensch als Wirt nicht zur
Verfügung, können sie auf andere Wirte, wie z. B. Hund und Katze, übergehen.
Die nachtaktiven Tiere leben versteckt in schmalen Spalten und Hohlräumen, in Bettgestellen, zwischen den Matratzen, in Spalten der
Bettkästen, unter Polstern, hinter loser Tapete und Postern, in Nagellöchern, hinter Regalen, Spiegeln und Bildern, in Lichtschaltern, in
Deckenanschlüssen der Lampen, in Rissen der Deckenstucks, hinter Zierleisten im Deckenbereich, in Lichtleitungsverkleidungen, in
Jalousienkästen und Gardinenvorrichtungen.
Bei starkem Befall auch im Fußbodenschwellenbereich und in Bücherrücken. In der Umgebung dieser Verstecke sieht man häufig die
rundlichen, kleinen, braunschwarzen Kotflecke, die sich im Gegensatz zum Fliegenkot nicht mit Wasser abwischen lassen. Beim
überwischen verfärbt sich das Wasser rot-braun.
Vorsicht ist geboten auf Reisen: Koffer sollten nicht in unmittelbarer Nähe des Bettes oder in Schränken abgestellt werden, insbesondere
nicht bei mehrtägigem Aufenthalt.
Bettwanzen müssen bekämpft werden!
Bei festgestelltem Wanzenbefall sollte man die Betten von der Wand rücken, auseinander nehmen, auf einem hellen Tuch alle Teile
ausklopfen und ausbürsten. Hat das Bett Beine, so werden diese mit doppelseitigem Klebeband versehen. Ein Futon kann man mit
einem derartigen Klebeband "umranden", sodass die Bettwanzen nicht in die Schlafstätten dringen können.
Die in der Laborzucht beobachteten Temperatur- und Hungertoleranzen der Bettwanzen erklären die Schwierigkeiten, in der Praxis einen
Befall tatsächlich tilgen zu können. Zur Bekämpfung von Bettwanzen werden sogenannte Residualwirkstoffe eingesetzt. Dies sind
Insektizide mit einer langen, das heißt mindestens über sechs Wochen dauernde, Wirkung auf den behandelten Oberflächen.
NaturPyrethrum hat nur als Austreibewirkstoff eine Bedeutung, die Tötungswirkung auf Wanzen ist zu schwach. Bei einer Behandlung
werden in der Regel nicht alle Tiere in ihren Verstecken erreicht. Außerdem sind die Eier äußerst widerstandsfähig gegen äußere
Einflüsse. Aus diesem Grund müssen mehrere Behandlungen durchgeführt werden, so dass eine erfolgreiche Bekämpfungsmaßnahme
erst nach einigen Wochen abgeschlossen ist. Allerdings ist es für die Wirksamkeit förderlich, wenn erwachsene, gesunde Personen in
Übereinstimmung mit den Anwendungsvorschriften des verwendeten Biozids weiterhin in den befallenen Zimmern übernachten, da die
Wanzen nur so aus ihren Verstecken gelockt werden können und über die mit den Insektiziden behandelten Oberflächen laufen.
Wanzen können auch durch den Einsatz von Hitze oder Kälte getötet werden. Kleinere und sensible Gegenstände wie Bücher und
Bilderrahmen können über mehrere Tage bei –18 °C eingefroren werden. Diese Frostbehandlung wirkt sicher auch gegen abgelegte Eier.
Hohe Temperaturen werden durch Aufheizen der befallenen Räume mittels spezieller Öfen auf 50–60 °C erreicht. Bei dieser Methode ist
sicherzustellen, dass die Wanzen während der Aufheizphase nicht in benachbarte Räume abwandern. Laborversuche haben bestätigt,
dass eine Temperatur von 45 °C über 30 Minuten bereits ausreicht, um alle Entwicklungsstadien von Bettwanzen einschließlich der Eier
abzutöten. Der Erfolg jeder Wanzen-Bekämpfungsmaßnahme muss regelmäßig über mehrere Wochen kontrolliert werden.
Wiederholungsbehandlungen sind meistens essentiell. Im Sommer bietet es sich an, die in Plastiktüten verpackten Gegenstände in die
Sonne zu legen, da hier innerhalb kürzester Zeit hohe Temperaturen erreicht werden können, die die Wanzen nicht überleben.
Wegen der in jedem Fall einsetzenden Stichbelästigungen und der Ausbreitung des Befalls müssen Bettwanzen bekämpft werden. Diese
Bekämpfungsmaßnahmen können nur von einem geprüften Schädlingsbekämpfer durchgeführt werden, sie gehören nicht in Laienhand,
weil durch den unsachgemäßen Einsatz von Schädlingsbekämpfungsmitteln gesundheitliche Beeinträchtigungen möglich sind.
Dr. Stephan Scheurer / Dr. Jutta Klasen / Gabriele Schrader